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Afrika entdecken
– Unterwegs im südlichen Afrika zwischen Stille, Wildnis und Begegnungen –

Manche Reisen enden mit der Rückkehr nach Hause. Andere begleiten einen noch lange danach. Unsere Reise durch Namibia, Botswana und Simbabwe Anfang 2022 gehört zu den Erlebnissen, die bis heute nachwirken. Warum das so ist? Hier ein paar Gedanken und Stichworte dazu.
Eine Reise in einer besonderen Zeit
Die Welt hatte sich gerade vorsichtig aus der Corona-Pandemie herausgewagt. Während in Europa Flughäfen und Urlaubsorte langsam wieder voller wurden, war das südliche Afrika noch erstaunlich leer. Viele Reisende zögerten noch.
Für uns bedeutete das, dass wir mit unserer sechsköpfigen Gruppe häufig die einzigen Gäste in einer Lodge waren. Wir konnten die ganze Aufmerksamkeit und den Komfort der Unterkunft in vollen Zügen genießen. Beim zweiten Blick wurde aber deutlich, das Ganze hat einen ernsten Hintergrund.

Wenn der Tourismus plötzlich verschwindet
In vielen Regionen des südlichen Afrikas leben ganze Familien direkt oder indirekt vom Tourismus. Fahrer, Ranger, Köche, Zimmermädchen, Handwerker oder kleine Lodgebesitzer – sie alle verloren während der Pandemie oft von einem Tag auf den anderen ihre Einnahmen. Es gibt dort kein Sozialsystem, wie wir es kennen. Corona-Hilfen, die hierzulande vielen kleinen und mittleren Firmen und Unternehmen über die Einbrüche hinweghalfen, gab es dort nicht.
Immer wieder kamen wir mit Menschen ins Gespräch. Niemand beklagte sich laut oder machte Vorwürfe. Stattdessen hörten wir Geschichten von geschlossenen Lodges, verlorenen Arbeitsplätzen und der Hoffnung, dass die ersten Besucher endlich wieder zurückkehren würden. Manche Betriebe schafften den Neuanfang. Andere blieben dauerhaft geschlossen.
Neben allen Eindrücken von den Landschaften, den Tieren und dem Erleben der Weite Afrikas waren es gerade diese Begegnungen, die unsere Reise zu mehr als einer Rundreise durch beeindruckende Landschaften gemacht hat.
Die Weite der Namib
Schon nach dem Start in Windhoek änderte sich die Welt. Die Namib empfing uns mit endlosen Horizonten, gewaltigen Dünen und einer Ruhe, die man in Europa kaum noch erlebt. Stundenlang begegneten wir kaum einem anderen Fahrzeug. Anfangs fuhren wir noch auf Asphaltstraßen, die aber schon bald von“befestigten“ Schotterpisten abgelöst wurden.
Wer die Wüste nur als Sandlandschaft betrachtet, übersieht ihre eigentliche Faszination. Zwischen Steinen, Gräsern und Dünen hat sich über Jahrtausende eine erstaunliche Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. Je länger man hinsieht, desto lebendiger erscheint diese scheinbar karge Landschaft.
Swakopmund – Neustart nach der Pandemie?
Nach den endlosen Landschaften der Namib wirkt Swakopmund zunächst wie ein Stück Europa an der Atlantikküste. Deutsche Kolonialarchitektur, kleine Cafés, gepflegte Geschäfte und die frische Meeresluft verleihen der Stadt eine ganz eigene Atmosphäre. Normalerweise gehört sie zu den beliebtesten Reisezielen Namibias. Doch während unseres Besuchs zeigte sich ein völlig anderes Bild.
Die Einkaufsstraßen waren nahezu menschenleer. Wo sonst Besucher aus aller Welt flanieren, begegneten wir oft nur wenigen Einheimischen. Die Ruhe war beinahe gespenstisch und machte die Auswirkungen der vergangenen Monate greifbar. Viele Geschäfte hatten nur vereinzelt Kundschaft, manche wirkten, als warteten sie noch immer darauf, dass das Leben zurückkehrt.
Auch im traditionsreichen Hansa Hotel setzte sich dieser Eindruck fort. Die stilvoll eingerichteten Salons, die großzügigen Aufenthaltsräume und das elegante Restaurant strahlten eine angenehme Ruhe aus. Gleichzeitig ließ sich kaum übersehen, dass ein Haus, das sonst von Gästen aus aller Welt lebt, noch auf bessere Zeiten hoffte. Gerade dieser Kontrast zwischen der gepflegten Atmosphäre und der ungewöhnlichen Leere machte Swakopmund zu einem der eindrucksvollsten Zeugnisse dafür, wie tief die Pandemie den Tourismus im südlichen Afrika getroffen hatte.
Geschichten aus Sand und Stein
Twyfelfontein und das Kaokoveld gehören zu den Orten, an denen Landschaft und Geschichte miteinander verschmelzen. Die jahrtausendealten Felsgravuren erzählen von Menschen, die lange vor uns hier unterwegs waren.
Ein völlig anderes Bild bietet das Deadvlei im Herzen der Namib. Zwischen den höchsten Sanddünen der Welt ragen jahrhundertealte, abgestorbene Kameldornbäume wie dunkle Skulpturen aus der hellen Lehmpfanne. Regen fällt hier so selten, dass die Bäume nie vollständig verrotteten. Im ersten Licht des Tages entstehen Kontraste aus tiefrotem Sand, strahlend weißem Boden und fast schwarzem Holz, die beinahe unwirklich wirken. Es ist einer jener Orte, an denen man die Kamera irgendwann sinken lässt, weil kein Foto die Atmosphäre wirklich einfangen kann.
Noch beeindruckender war jedoch die Weite. Straßen verschwinden irgendwo am Horizont. Stundenlang fährt man durch eine Landschaft, die kaum verändert wirkt. Es ist eine Einsamkeit, die nicht bedrückt, sondern Freiheit vermittelt.
Zu Gast bei den Himba
Im Kaokoveld besuchten wir ein Dorf der Himba. Schnell wurde deutlich, dass dieser Ort weit mehr ist als ein Ziel für Reisende. Familien leben hier nach überlieferten Traditionen, die das Leben seit Generationen prägen. Die Menschen in ihrer Art zu leben und der ganze Ort erzählen von einer Kultur, die sich ihre Identität bis heute bewahrt hat.Besonders in Erinnerung geblieben sind die Begegnungen mit den Frauen und Kindern. Ein freundliches Lächeln, ein neugieriger Blick oder ein kurzes Gespräch – oft brauchte es keine gemeinsame Sprache. Solche Momente erinnern daran, dass Reisen vor allem dann bereichern, wenn sie von gegenseitigem Respekt und echtem Interesse am Leben der Menschen geprägt sind.
Geduld wird belohnt
Der Etosha-Nationalpark gehört zu den bekanntesten Schutzgebieten Afrikas. Mit seinen knapp 23.000 Quadratkilometern ist er fast so groß wie das Bundesland Hessen. Das Herzstück bildet die 4.760 Quadratkilometer große Etosha-Salzpfanne, die selbst als dem All zu erkennen ist. Trotzdem fühlte sich unser Besuch oft erstaunlich exklusiv an.
An den Wasserlöchern warteten wir einfach. Ohne Zeitdruck. Irgendwann erschienen Zebras, dann Oryx-Antilopen, Giraffen und schließlich Elefanten. Niemand wusste, was als Nächstes passieren würde. Genau das machte jeden Moment spannend.
Safari bedeutet nicht, möglichst viele Tiere abzuhaken. Sie bedeutet vor allem, Geduld zu lernen. Die Tiere geben den Takt vor – nicht der Mensch.
Afrika zeigt immer wieder ein neues Gesicht
Über den Caprivi-Streifen erreichten wir Botswana. Plötzlich war alles grün. Flüsse ersetzten trockene Ebenen, Papyrus säumte die Ufer und überall war Vogelstimmen zu hören.
Im Chobe-Nationalpark begegneten wir Elefanten, Zebras, Gnus, Affen. Es begeistert immer wieder, die Tiere in ihrer normalen, natürlichen Umgebung zu erleben. Auch die majestätischen Baobab-Bäume haben wir gesehen. Ihre Früchte, die Rinde und die Blätter werden vielfältig genutzt. Entweder als Nahrung, als Wasserquelle, Rohstoff oder auch als Heilmittel.
Ein Naturwunder, das man hört, bevor man es sieht
Die Victoriafälle kündigen sich lange vor ihrer eigentlichen Sichtbarkeit an. Erst hört man das dumpfe Donnern, dann steigt die Gischt wie eine Wolke über dem Regenwald auf.
Als wir schließlich an der Abbruchkante standen, war jedes Gespräch plötzlich verstummt. Millionen Liter Wasser stürzen hier jede Minute in die Tiefe. Im Helikopter ging es dann eine Runde über die Wasserfälle. Das ist noch einmal beeindruckender zu sehen.
Lautlos durch das Okavango-Delta
Der Abschluss unserer Reise hätte kaum schöner sein können. Im Okavango-Delta glitten wir in traditionellen Mokoros durch schmale Wasserwege zwischen Schilf und Seerosen.
Es war fast vollkommen still. Nur das Eintauchen der Holzstange ins Wasser, Vogelstimmen und gelegentlich das Rascheln im Schilf begleiteten uns. Solche Momente lassen sich nicht planen. Sie entstehen einfach.
Was bleibt?
Natürlich bleiben die Bilder von Elefanten, Löwen, Giraffen oder den roten Dünen der Namib.
Vor allem aber bleiben die Menschen. Ihre Gastfreundschaft. Ihre Offenheit. Ihre Geschichten über schwierige Jahre und ihren Mut, trotzdem nach vorn zu schauen.
Das südliche Afrika hat uns nicht nur spektakuläre Landschaften gezeigt. Es hat uns vor Augen geführt, wie eng Natur, Tiere und Menschen miteinander verbunden sind und wie wichtig ein verantwortungsvoller Tourismus für all das ist.

Das bleibt: Manche Länder bereist man – Afrika nimmt man ein Stück weit mit nach Hause.
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